Diese Woche hat die IHDS-zertifizierte Ausbildung zum Child Development Analyst bei Peter Schöber begonnen. Dort wird Human Design noch einmal ganz gezielt auf Kinder, Eltern und Entwicklung bezogen. Während der ersten Ausbildungstage musste ich immer wieder an meine eigene Zeit als Mutter kleiner Kinder zurückdenken. Vor allem an die Jahre, bevor Human Design überhaupt Teil meines Lebens war.
Gleich zu Beginn fiel ein Satz, der mich an diese frühen Jahre erinnert hat: „Eltern scheitern (meist) nicht an mangelnder Liebe, sondern an mangelndem Wissen.“
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr spüre ich, wie sehr dieser Satz meine eigene Geschichte beschreibt. Wenn ich heute auf die ersten Jahre mit meinen Töchtern zurückblicke, dann erinnere ich mich an viele wunderschöne Momente. Gleichzeitig erinnere ich mich aber auch an eine Zeit, in der ich oft verunsichert war. An eine Zeit, in der ich unglaublich viele Fragen hatte und ständig versuchte herauszufinden, wie gute Mutterschaft eigentlich funktioniert.
Immer wieder habe ich in Erziehungsratgebern nach Antworten gesucht, in der Hoffnung, dort eine Beschreibung zu finden, in der ich mich selbst als Mutter wiedererkenne. Ich habe gelesen, ausprobiert und häufig blieb nach dem Lesen ein merkwürdiges Gefühl zurück.
Wenn Mutterschaft sich anders anfühlt
Die Bücher beschrieben eine Form von Mutterschaft, die für mich oft unerreichbar wirkte. Es schien selbstverständlich zu sein, ständig verfügbar zu sein, in der Mutterrolle voll und ganz aufzugehen und gleichzeitig noch genügend Energie für den eigenen Alltag zu haben. Während ich diese Bücher las, fragte ich mich immer häufiger, warum mir genau das so schwerfiel. Warum ich mich als Mutter immer wieder in Frage stellte, immer wieder Rückzug brauchte und manchmal das Gefühl hatte, den ganzen Tag nur auf die Bedürfnisse anderer Menschen zu achten, während ich selbst immer weiter in den Hintergrund geriet.
Heute würde ich sagen, dass mein offenes Ego und mein offenes Sakral damals ständig damit beschäftigt waren, beweisen zu wollen, dass ich eine gute Mutter bin, dass ich alles richtig mache und den Bedürfnissen meiner Kinder gerecht werde. Und obwohl ich mich unglaublich angestrengt habe, hatte ich selten das Gefühl, dass es genug ist. Rückblickend erkenne ich, dass viele meiner Zweifel daraus entstanden, dass ich ständig versucht habe, eine andere Mutter zu sein, als es mir entspricht.

Auf der Suche nach der richtigen Mutterolle
Als wir vor einigen Jahren unser Haus ausgeräumt und vieles aussortiert haben, war ich auch sehr froh diese Erziehungsratgeber wegzugeben. Viele der Gedanken darin waren hilfreich und gut gemeint. Gleichzeitig erinnere ich mich daran, dass mich manche dieser Bücher immer wieder mit einem Gefühl zurückließen, mich in dieser Rolle nicht richtig zu fühlen. Es war eine Mischung aus Verunsicherung, Selbstzweifeln und Bitterkeit.
Heute weiß ich, dass diese Bitterkeit nicht durch die Bücher entstanden ist. Sie haben sie lediglich sichtbar gemacht. Vielleicht war es deshalb ein schöner und sehr symbolischer Moment, mit den Büchern nun auch die Vorstellung loszulassen, dass irgendwo außerhalb von mir die eine Beschreibung existieren müsste, die mir endlich erklärt, wie ich als Mutter richtig zu sein habe. Denn genau das war letztlich die eigentliche Suche hinter all diesen Ratgebern. Die Hoffnung, im Außen eine Antwort zu finden. Die Hoffnung, dass jemand anderes mir bestätigt, dass das wie ich mich fühle und verhalte auch richtig ist.
Human Design hat mir viele Jahre später eine völlig andere Perspektive eröffnet. Nämlich die, mir selbst in meinem Projektor-Sein zu vertrauen. Gerade als Mutter war das für mich eine der größten Lektionen. Was mir dadurch erst bewusst geworden ist: Mein größter Schmerz lag damals gar nicht nur in der Überforderung. Er lag auch darin, dass ich die Rolle als Mutter anfangs nicht wirklich als leicht erlebt habe. Das fällt mir selbst heute noch nicht leicht auszusprechen. Denn ich habe mir Kinder gewünscht und gleichzeitig gab es da diesen Teil in mir, der sich in dieser Rolle verloren ging.
Ich hatte das Gefühl, in der Rolle der Mutter allein nicht wirklich anzukommen. Wenn ich heute mit Human Design darauf schaue, erkenne ich darin sehr deutlich die Dynamik meines Projektor-Seins. Projektoren erleben ihre Erfüllung nicht über die befriedigende Nutzung von Energie, sondern über Erfolg, Anerkennung und das Gefühl, gesehen zu werden. Genau das hat mir damals in meinem Alltag als Mutter gefehlt.
Vielleicht war das auch der Grund, warum ich mir immer neue Rollen geschaffen habe. Ich arbeitete im Familienbetrieb meines damaligen Mannes mit. Ich begann einen kreativen Blog. Ich suchte Projekte, Ideen und Aufgaben, die mir das Gefühl gaben, etwas Eigenes zu gestalten und Anerkennung außerhalb der Mutterrolle zu erleben. Damals habe ich oft gedacht, mit mir stimme etwas nicht. Ich hatte das Gefühl, mich nicht einfach zufrieden damit geben zu können, Mutter zu sein.
Heute sehe ich das anders. Ich glaube nicht, dass ich versuchte, der Mutterschaft zu entkommen. Ich suchte vielmehr nach Räumen, in denen ich meine eigenen Qualitäten als Projektorin erleben konnte. Denn das körperliche Muttersein kleiner Kinder empfand ich häufig als unglaublich fordernd. Dieses ständige Gebrauchtwerden. Das Organisieren. Das Kochen. Das Waschen. Das Aufräumen. Das Funktionieren. Und gleichzeitig der Wunsch, beruflich erfolgreich zu bleiben, kreativ zu sein und mich mit Themen zu beschäftigen, die mich geistig nähren. Rückblickend würde ich sagen, dass die Erschöpfung nicht nur durch die Kinder entstand. Sie entstand durch die Vielzahl der Rollen, die ich gleichzeitig erfüllen wollte. Und vielleicht auch durch die Schwierigkeit, mir selbst zu erlauben, dass Mutterschaft für mich anders aussehen darf als für andere.
Interessanterweise liebe ich die Rolle, die ich heute als Mutter einnehme – weil sie sich verändert hat. Heute bin ich oft Gesprächspartnerin, Begleiterin, Zuhörerin, Impulsgeberin und manchmal auch Problemlöserin. Heute darf ich viel stärker das leben, was meiner Natur als Projektorin entspricht.
Vielleicht musste ich erst durch all die Jahre gehen, um zu verstehen, dass mein Muttersein nie falsch war. Es war nur anders, als ich es erwartet hatte.
Je tiefer ich heute in die Ausbildung eintauche, desto deutlicher wird mir gleichzeitig, warum ich mich damals in so vielen Beschreibungen von Mutterschaft nicht wiedergefunden habe. Unsere gesellschaftlichen Vorstellungen von Elternschaft sind häufig sehr stark von Generatoren-Qualitäten geprägt. Wenn wir an das klassische Bild einer Mutter denken, dann tauchen häufig Eigenschaften auf wie nährend, geduldig, verfügbar, fürsorglich und ständig präsent – Eigenschaften, die eng mit dem kontinuierlichen Einsatz von Energie verbunden sind.
Als Projektorin habe ich Mutterschaft jedoch völlig anders erlebt. Meine Stärke lag nie darin, dauerhaft Energie bereitzustellen. Meine Stärke lag immer darin, wahrzunehmen, Zusammenhänge zu erkennen, Menschen individuell zu begleiten und Entwicklungen zu beobachten. Gleichzeitig brauchte ich aber auch etwas, das in vielen Erziehungsratgebern kaum vorkam: Rückzug, Ruhe, Pausen und Zeit für mich. Rückblickend glaube ich, dass ein Teil meiner Verunsicherung auch daher kam, dass ich selbst kein Vorbild für die Art von Mutterschaft hatte, die meiner eigenen Natur entsprochen hätte.
Ich bin in einer Familie von Energietypen aufgewachsen. Meine Mutter und meine Schwester als manifestierende Generatorinnen, mein Vater als Generator. Natürlich wusste damals niemand etwas von Human Design. Trotzdem hilft mir diese Perspektive heute zu verstehen, warum sich manche Dinge für mich so herausfordernd angefühlt haben. Meine Mutter konnte mir kein Vorbild für mein eigenes Projektor-Muttersein sein. Nicht weil ihr etwas gefehlt hätte oder weil sie etwas falsch gemacht hätte, sondern weil sie die Welt aus einer anderen Erfahrung heraus erlebt hat als ich.
Diese Erkenntnis empfinde ich heute als große Entlastung. Denn plötzlich bin ich nicht mehr falsch, sondern einfach anders.
Als ich verstand, dass anders nicht falsch ist
Besonders spannend wird das Ganze für mich heute rückblickend dadurch, dass ich zwei Töchter habe, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Meine ältere Tochter ist Manifestorin, meine jüngere Tochter Generatorin. Ohne es damals zu wissen, hatte ich ein lebendiges Human-Design-Experiment direkt in meinem Alltag. Natürlich habe ich die Unterschiede wahrgenommen. Ich konnte sehen, dass die eine anders auf die Welt reagiert als die andere und ihre Bedürfnisse verschieden waren.
Meine Manifestorentochter brauchte vor allem Freiraum. Sie wollte Dinge selbst ausprobieren, selbst entscheiden und ihren Impulsen folgen. Meine Generatortochter brauchte dagegen die Möglichkeit, auf das Leben zu reagieren, Erfahrungen zu machen und ihre eigene Energie einzusetzen. Und mittendrin war ich, eine Projektorin mit dem Kanal der Feinfühligkeit, die versuchte, sämtliche Bedürfnisse wahrzunehmen und möglichst niemanden zu enttäuschen.
Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, dann staune ich manchmal selbst darüber, wie selbstverständlich ich davon ausgegangen bin, dass ich für alles verantwortlich bin. Ich wollte, dass es allen gut geht. Ich wollte Bedürfnisse erkennen, bevor sie ausgesprochen wurden. Ich wollte Spannungen vermeiden und möglichst jedem gerecht werden. Das klingt zunächst nach Fürsorge, hatte aber auch eine Schattenseite. Denn je mehr ich versuchte, alle Bedürfnisse im Blick zu behalten, desto weniger Raum blieb für meine eigenen.
Besonders deutlich wird mir das, wenn ich an die Abende zurückdenke. Während ich den Tag über meist versucht hatte, alles zu organisieren und irgendwie durch den Alltag zu navigieren, kam der Vater meiner Töchter von der Arbeit nach Hause. Für mich war der Tag dann häufig längst vorbei. Ich war erschöpft und mein größter Wunsch war Ruhe. Und genau in diesem Moment begann oft das Gegenteil. Die Kinder wurden noch einmal durch die Wohnung getragen, es wurde getobt, gelacht und gespielt. Damals hat mich das regelmäßig zur Verzweiflung gebracht. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich innerlich dachte: Warum jetzt? Können wir nicht einfach langsam zur Ruhe kommen?
Erst jetzt, viele Jahre später und durch die Ausbildung, bekam diese Erinnerung plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Im Human Design wird beschrieben, dass insbesondere Generatorenkinder ihre Energie wirklich einsetzen müssen, damit sie am Abend müde werden. Oft hört man sogar den Satz, dass sie vor dem Schlafengehen am besten noch drei Mal ums Haus laufen sollten. Natürlich ist das nicht wörtlich zu verstehen, aber die Grundidee dahinter ist spannend. Generatoren schlafen oft dann am besten, wenn ihre sakrale Energie tatsächlich genutzt wurde. Plötzlich ergab eine Situation Sinn, die mich viele Jahre begleitet hatte. Was ich damals als störend oder unverständlich erlebt hatte, war möglicherweise einfach Ausdruck unterschiedlicher energetischer Bedürfnisse. Der Vater meiner Töchter hatte intuitiv erkannt, was die Kinder in diesem Moment brauchten und gleichzeitig spürte ich mein Bedürfnis nach Ruhe.
Je tiefer ich mich mit der Entwicklung von Kindern beschäftige, desto deutlicher wird mir, wie oft wir versuchen, Kinder an unsere eigene Art anzupassen. Nicht aus böser Absicht, sondern aus Liebe. Wir geben weiter, was für uns funktioniert hat. Wir schaffen Strukturen, die uns selbst Sicherheit geben. Und manchmal vergessen wir dabei, dass Kinder ihre eigene Natur mitbringen. Genau das ist eine der größten Entlastungen, die Human Design schenken kann. Nicht die perfekte Erziehung. Nicht die perfekte Strategie. Sondern die Erkenntnis, dass Menschen unterschiedlich funktionieren. Dass Kinder unterschiedlich funktionieren.
Und dass Andersartigkeit kein Problem ist, das gelöst werden muss. Sondern etwas, das verstanden werden möchte.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich diese Weiterbildung gerade so tief berührt. Nicht weil sie mir zeigt, wie Elternschaft richtig funktioniert. Sondern weil sie mir rückblickend hilft, mich selbst besser zu verstehen. Und genau darin liegt auch meine Motivation, dieses Wissen weiterzugeben. Nicht um Eltern zu erklären, was sie tun sollen. Sondern um einen Raum zu öffnen, in dem Unterschiedlichkeit sichtbar werden darf. Einen Raum, in dem Eltern erkennen dürfen, dass sie nicht falsch sind, nur weil sie anders sind. Und einen Raum, in dem Kinder erleben dürfen, dass ihre Individualität nicht korrigiert werden muss, sondern gesehen werden darf.
Denn wenn ich eines aus den letzten Jahren gelernt habe, dann dies: Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Sie brauchen Eltern, die bereit sind zu lernen. Die bereit sind hinzuschauen. Und die den Mut haben, nicht ständig nach der richtigen Antwort im Außen zu suchen, sondern immer wieder nach innen zu lauschen.
Ein achtsamer Moment für dich
Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und für dich nachspüren:
- Wo versuchst du vielleicht noch heute, einem Bild zu entsprechen, das gar nicht zu deiner Natur passt?
- Welche Erwartungen an dich selbst stammen wirklich von dir – und welche hast du irgendwann übernommen?
- Und was würde sich verändern, wenn du dir erlauben würdest, deinen eigenen Weg ernst zu nehmen?
Eine Einladung an Dich
Wenn du dich in diesen Themen wiederfindest, kann ein persönlicher Blick hilfreich sein. Oft reicht schon ein ruhiger, achtsamer Raum, um Zusammenhänge klarer zu sehen und sich selbst besser zu verstehen. In meiner Arbeit geht es nicht darum, etwas vorzugeben – sondern gemeinsam hinzuschauen, was sich für dich stimmig anfühlt. Wenn du magst, kannst du hier einen ersten Termin wählen oder in einem unverbindlichen Gespräch für dich prüfen, ob das gerade passt.
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