In den letzten Tagen hat mich der Puls der Kreativität erreicht, und ich bin wieder abgetaucht — in Stoff, Nadel und Faden. Nach Monaten, in denen ich mein Denken immer tiefer mit Human Design gefüllt habe, kam ein Punkt, an dem mein Verstand eine „Verdauungspause“ eingefordert hat. In solchen Momenten erdet es mich besonders, mich mit etwas Handwerklichem zu beschäftigen, bei dem meine Gedanken frei fließen können und am Ende etwas Schönes in meinen Händen liegt.

Ein alter Schatz früherer Kreativitätsphasen

Vor mittlerweile fast zehn Jahren floss meine Kreativität in einen DIY-Nähblog. Es ging um nachhaltiges Nähen, um Biogärtnern, um einfache und praktische Tipps, die unkompliziert und schnell umzusetzen waren. Über mehrere Jahre habe ich fast ausschließlich Selbstgenähtes getragen, nichts Neues gekauft und auch meine Töchter komplett benäht, bis sie in ein Alter kamen, in dem sie andere Kleidung bevorzugten. Diese kreative Tätigkeit war eine große Leidenschaft und gleichzeitig mein größter Lehrmeister, als die Erschöpfung und die Frage nach dem tieferen Sinn bei mir anklopften. Ich war im Dauerstress gelandet und musste vieles weglassen, was mich tagtäglich auslaugte.

Von dieser Zeit sind mir einige Stoffe geblieben, die ich all die Jahre wie einen kleinen Schatz in meinem Kämmerchen aufbewahrt habe. Kaum etwas Neues zu kaufen gehört bis heute zu meinem Alltag, auch weil ich nicht bereit bin, Kleidung zu kaufen, ohne zu wissen, unter welchen Bedingungen sie entstanden ist. Und irgendwo im Hinterkopf wusste ich immer: Da sind ja noch diese Stoffe, aus denen ich mir etwas Schönes nähen könnte.

Nähen als Kreativität

Die Rückkehr an die Nähmaschine

Vor wenigen Tagen habe ich mich nach langer Pause wieder an die Nähmaschine gesetzt und bin regelrecht abgetaucht. Meine liebsten Stoffe habe ich zu Ende genäht, Stück für Stück, bis nichts mehr übrig war. Dabei habe ich genau dieselbe pulsartige, schubartige Energie wiedererkannt, die mich damals so erfasst hat. Viele alte Gefühle und Erinnerungen kamen hoch, und es hat sich richtig gut angefühlt, mit den Stoffen zu hantieren und zu bemerken, dass ich vieles nicht verlernt hatte.

Mit dieser Energie kam auch die altbekannte Herausforderung zurück: zu wissen, wann genug genug ist. Dieses verlockende „Ich mache nur noch das schnell fertig“, aus dem dann plötzlich drei weitere Stunden werden, kannte ich sofort wieder. Dabei habe ich viel Dankbarkeit für die Jahre der Bewusstseinsarbeit gespürt, die zwischen diesen beiden Erfahrungen liegen. Von der Begeisterung fühle ich mich heute weniger fremdgesteuert und erkenne klarer, was zu mir gehört. Dadurch fällt es leichter, Pausen einzulegen, auch wenn die Freude groß ist.

Der Wunsch, gesehen zu werden

Rückblickend würde ich sagen: Mit dem DIY-Nähblog kamen der Wunsch, gesehen zu werden, und der enorme Druck, mir und anderen zu zeigen, was in mir steckt. Die Arbeit in der Beratung mit Menschen, die ich heute so sehr liebe, fühlt sich völlig anders an. Dort darf ich meinem Gegenüber das Human Design System näherbringen, ganz individuell und ohne Druck, so, wie ich bin.

Damals bin ich weit über meine eigenen Grenzen gegangen, um all den äußeren und inneren Erwartungen gerecht zu werden.

Es war genau diese wichtige Phase, die mich schließlich in die innere Arbeit geführt hat, in die Meditation, zum Human Design. Als hätte der Körper selbst irgendwann gesagt: So nicht mehr.

Was sich verändert hat

Diesmal, Jahre später, konnte ich deutlich spüren, wie leicht mich mein offenes Sakralzentrum wieder in den Sog zieht. Dieses Zentrum macht es schwer zu erkennen, wann genug genug ist. Diesmal wusste ich, wo mein eigentlicher Weg liegt: mein Bewusstsein zu schulen und es im Austausch mit Menschen durch das Human Design System in die Welt zu tragen. Das Nähen darf ein kleines Hobby bleiben und muss nicht mehr sein.

Jetzt habe ich ein paar neue Lieblingsstücke, die ich mit großer Freude trage. Ich spüre dabei etwas ganz anderes auf meiner Haut als bei gekaufter Kleidung. Die Qualität der Biostoffe spielt dabei eine Rolle, vor allem aber das Wissen, dass meine eigenen Finger es gestaltet haben.

In diesen Tagen habe ich auch viel philosophischen Input gehört, einige Folgen der Sternstunde Philosophie mit wirklich interessanten neuen Impulsen, eine schöne Begleitung für ruhige Abendstunden. Die eigentliche Tiefe, die mein System immer wieder sucht, finde ich dennoch im Human Design. Dorthin kehre ich jetzt wieder zurück — ausbalancierter, mit etwas Neuem in der Hand und mit einer alten Lektion, die sich noch einmal bestätigt hat.

Was Human Design mir über mich gezeigt hat

Human Design erklärt mir heute sehr viel von dem, was ich damals am Nähtisch erlebt habe. Als Projektorin fließt meine Energie nicht gleichmäßig und unbegrenzt, und sie braucht Ruhe, um sich wieder zu sammeln. Dass ich Pausen als Teil meiner Natur annehmen darf und sie nicht als Schwäche betrachten muss, gehört zu den größten Erleichterungen, die mir dieses System geschenkt hat. Dazu kommt das Vertrauen, dass die Menschen und Aufgaben, die zu mir gehören, über die richtigen Einladungen zu mir finden und ich nicht initiieren muss um gesehen zu werden.

Mein Wert zeigt sich in der Art, wie ich Menschen sehe und begleite, unabhängig von der Menge dessen, was ich hervorbringe.

Wie sich dieses Projektorin-Sein im Alltag anfühlt und was dieser Typus mitbringt, habe ich in einem eigenen Beitrag über Projektoren ausführlicher beschrieben.Wenn du dich in dem, was ich hier erzähle, wiedererkennst, begleite ich dich gern dabei, deine eigene Körpergrafik zu verstehen und darin deinen Rhythmus zu finden.

Ein achtsamer Moment für dich

Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und für dich nachspüren:

  • Wo in deinem Leben zieht dich die Kreativität so stark in ihren Bann, dass du die eigenen Grenzen aus den Augen verlierst?
  • Welche Tätigkeiten geben dir das Gefühl, etwas Greifbares geschaffen zu haben — und wie unterscheidet sich das von deiner sonstigen Arbeit?
  • Was würde sich verändern, wenn du beim nächsten kreativen Sog innehältst und dich fragst, ob es wirklich noch deinem Energielevel entspricht?