Manche Begegnungen fühlen sich von der ersten Minute an richtig an. So war es, als ich Heike Schwarz beim Beziehungsseminar in der Steiermark persönlich kennenlernte. Zwischen uns war sofort eine angenehme Verbindung spürbar, ein leichtes, echtes Gespräch. Als sie mich danach einlud, bei ihrem Sonntagsbrunch-Podcast dabei zu sein, um über meinen unbewussten Kanal 19-49 zu sprechen — die Bedürfnisse und Ressourcen im Stammessystem —, empfand ich es als genau jene Art von stimmiger Einladung, die ich aktuell ganz bewusst für mich beobachte.
Trotzdem war ich vor dem Termin ziemlich nervös. Heike hatte erklärt, dass das Gespräch als lockere Plauderei aufgenommen und nicht geschnitten wird — jeder Lacher, jeder Verhaspler bleibt drin. Genau diese Ungeschütztheit hat mich im Vorfeld sehr beschäftigt. Am Ende war das Gespräch aber genau das Gegenteil von dem, wovor ich Sorge hatte: sehr angenehm, warm und für mich persönlich richtig bereichernd. Unser Podcast-Gespräch (Folge September 2026) findest du hier.
Worum es ging: mein unbewusster Kanal 19-49
Im Zentrum unseres Gesprächs stand mein Kanal 19-49, der „Kanal der Feinfühligkeit“ — jene Verbindung zwischen Wurzel- und Solarplexuszentrum, die dafür sorgt, feine Bedürfnisse innerhalb einer Gemeinschaft wahrzunehmen. Bei mir liegt dieser Kanal komplett auf der unbewussten Seite. Das bedeutet etwas sehr Konkretes: Meine emotionale innere Autorität, mein Solarplexus, ist mir selbst nicht bewusst zugänglich. Was mir bewusst zur Verfügung steht, ist sehr mental. Auf der bewussten Seite habe ich im Grunde keinen direkten Draht zu meiner eigenen Emotionalität.
Das war für mich lange ein echtes Lernfeld. Ich hielt mich selbst für vergleichsweise wenig emotional — bis ich zu erkennen begann, wie sehr dieser Wellenprozess tatsächlich in mir stattfindet, nur oft erst im Nachhinein beobachtbar. Diese Langsamkeit und diese Einfärbung durch Emotionalität gehört zu mir, auch wenn ich selbst kaum direkten Zugriff darauf habe.

Die Oberkellner-Qualität — und ihre Schattenseite
Im Gespräch mit Heike haben wir auch über die eine Seite dieses Kanals gesprochen: seine Aufgabe, im Stammessystem zu spüren, wer welche Bedürfnisse hat. Ich nenne es gerne, ein bisschen augenzwinkernd, die Oberkellner-Qualität — genau zu wissen, wer was braucht, zu welchem Zeitpunkt, nicht zu viel und nicht zu wenig. Eine feine, wertvolle Fähigkeit.
Gleichzeitig liegt genau darin auch eine Gefahr, besonders in Kombination mit meinem Projektor-Sein: sich im System, in den Bedürfnissen der anderen zu verlieren. Wer so fein spürt, was das Stammessystem braucht, läuft leicht Gefahr, die eigenen Bedürfnisse dabei aus dem Blick zu verlieren.
Die Frage nach den Ressourcen
Wir haben auch über die andere Seite dieses Kanals gesprochen, Tor 49. Während Tor 19 nach den Bedürfnissen im Stammessystem fragt, verfügt Tor 49 über die Ressourcen: Was habe ich zur Verfügung, und wem stelle ich es bereit? Ursprünglich verlangt dieses Tor dafür einen bestimmten Gehorsam — es klingt strenger, als es gemeint ist, aber das Bild dahinter ist treffend: ein Drache, der alle, die sich einfügen, schützend unter seine Flügel nimmt und verteidigt. Wehe aber, jemand hält sich nicht an die Vereinbarung — dann kann aus der Feinfühligkeit sehr schnell eine klare Polarität werden: Wird der emotionale Vertrag nicht eingehalten, zieht Tor 49 die Ressourcen ebenso entschieden wieder zurück.
Besonders spannend wird es in Beziehungskonstellationen, in denen beide Partner dieses Tor haben oder gemeinsam in den Kompromiss dieses Kanals geraten. Dann lohnt sich ein genauer Blick: Wer hat welche Bedürfnisse, wer verfügt über welche Ressourcen, und wie lassen sich beide miteinander in Einklang bringen?
Wie andere mir zeigten, wer ich bin
Das Interessante an einem unbewussten Kanal ist: Man erkennt ihn oft nicht an sich selbst, sondern an dem, was andere über einen spiegeln. Mir wurde diese Feinfühligkeit zum ersten Mal wirklich bewusst während meiner Ausbildung zur MBSR-Lehrerin — als Rückmeldung von außen, nicht als eigene Erkenntnis. Und auch jetzt wieder, beim Beziehungsseminar in der Steiermark, gab mir eine liebe Freundin die Rückmeldung, dass meine Präsenz für eine ausgleichende Wirkung gesorgt hat.
Immer wieder merke ich dabei denselben Reflex in mir: den Impuls zu denken, das mache doch gar nicht wirklich mich aus — gerade weil es so unbewusst ist. Aber genau darin liegt die eigentliche Erkenntnis: Solche unbewussten Qualitäten werden über genau diese wiederholten Spiegelungen von außen zugänglicher, sie werden mehr und mehr Teil dessen, was ich auch bewusst über mich weiß.
Die Verbindung zu Tieren
Ein weiterer Aspekt dieses Kanals ist seine natürliche Verbindung zu Säugetieren — und das habe ich tatsächlich schon von klein auf gespürt. Ich war immer gerne mit Tieren in Kontakt, und ich konnte oft beobachten, dass Tiere von sich aus zu mir kamen. Besonders spannend finde ich das bei Katzen, weil sie ja bekanntlich ihre eigenen Entscheidungen treffen und sich viel weniger rufen lassen als Hunde.
Das erlebe ich bis heute: Wenn ich mit meinem Mann abends durch die Straßen laufe, kommt so gut wie jede Katze, der wir begegnen, direkt auf uns zu. Interessanterweise hat auch er denselben unbewussten Kanal 19-49. Einen echten Vergleichswert habe ich natürlich nicht, aber ich muss dabei jedes Mal ein bisschen schmunzeln — es fühlt sich fast an, als würden wir beide die Katzen der Nachbarschaft magisch anziehen.
Ein achtsamer Moment für dich
Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und für dich nachspüren:
- Gibt es eine Qualität in dir, die andere immer wieder an dir bemerken — die dir selbst aber schwer zugänglich oder fremd vorkommt?
- Wo in deinem Leben achtest du sehr genau auf die Bedürfnisse anderer — und wie steht es dabei um deine eigenen?
- Was würde sich verändern, wenn du das, was andere in dir sehen, als ebenso wahr betrachtest wie das, was du selbst über dich weißt?

