Für diesen Beitrag habe ich mir bewusst die Frage gestellt, warum ich mich für ungewöhnliches Wissen interessiere — für Wissen, das bisherige Annahmen infrage stellt und lang geglaubte Hypothesen herausfordert. Ich wollte mich noch einmal ganz bewusst damit verbinden, was es für mich bedeutet — und mit der Verantwortung, die darin liegt.
Als Human Design Lehrerin, als Wissenschaftlerin — beide Male habe ich bestehendes Wissen infrage gestellt, und ich spüre darin eine deutliche Parallele. Das Human Design System versteht sich als die Wissenschaft der Differenzierung, und genau darum geht es auch in der Tiefe des Verstehens: zu zeigen, was an Kognition, an Sensorik, an Sinneswahrnehmung auf eine ganz spezifische, individuelle Art auch bei uns Menschen möglich ist — ein Zugang, den wir bislang noch nicht ausgeschöpft haben. Wir wissen noch gar nicht wirklich, was in uns steckt, wenn wir uns in unserer Individualität stärken und weiterentwickeln dürfen, und welche Möglichkeiten hier gerade für Kinder verborgen liegen.
Je tiefer das Wissen, je mehr Bewusstsein sich in einem entwickelt, umso größer wird auch die Verantwortung, dieses Wissen nach außen zu tragen — statt es im stillen Kämmerchen für sich zu behalten.
In den letzten Wochen kam dazu noch etwas anderes: Ich habe auf Instagram alle meine bisherigen Reels gelöscht. Dazu hat sich auch eine kleine Stimme im Verstand gemeldet, die infrage gestellt hat, ob ich weiterhin dort präsent sein möchte. Gleichzeitig kam seitdem immer wieder dieselbe Rückmeldung zu mir zurück: Meine Beiträge waren authentisch, nahbar, sie haben Menschen auf einer Ebene erreicht, die nachwirkte. Zwischen diesen beiden Wahrheiten stehe ich seither, und in den letzten Wochen hat sich einiges bewegt, das ich gerne mit dir teilen möchte.
Wie Evolution sichtbar wird
Wie sehr dieses Ringen um das richtige Maß an Sichtbarkeit zu mir gehört, wird deutlich, wenn ich weiter zurückschaue. Für diesen Beitrag habe ich mir bewusst dieses Bild herausgesucht: der 29. Mai 2006, ich stehe vor der Lund Universität in Schweden, Lorbeerkranz im Haar, die Doktorurkunde in der Hand. An diesem Tag habe ich promoviert — über das visuelle Nervensystem nachtaktiver Bienen, genauer über ihre Sinnesverarbeitung, erforscht bis in die feinsten Verbindungen der Elektronenmikroskopie.
Die Grundfrage meiner Promotion war, wie die Evolution es ermöglicht hat, dass diese Tiere mitten in der Nacht fliegen, sich visuell orientieren, ihre Nahrung und Nester finden — welche enorme Leistung dieses kleine Gehirn dabei vollbringt, im Verarbeiten und Summieren von kaum vorhandenem Input an Photonen.
Auch damals war das, womit ich mich beschäftigte, auf seine Weise ungewöhnlich. Immer wieder wurde ich gefragt: Warum interessierst du dich ausgerechnet dafür? Es gäbe doch wichtigere Dinge draußen in der Welt. Es war für mich ein grundlegendes Verstehen dessen, wie Evolution sichtbar wird.

Inspirierende Stimmen von mutigen Frauen
Dass dieses Thema gerade jetzt wieder so viel in mir bewegt, hat auch mit mutigen Frauen zu tun, deren Stimmen mich in den letzten Wochen begleitet haben. Mein Mann hat mir mehrere Podcasts weitergeleitet — er kennt mich am besten, und offenbar hat ihn etwas an diesen Gesprächen an mich erinnert. Eine davon ist Prof. Alke Martens, die bei KI Verstehen über ihre persönliche Haltung zu Social Media sprach und über ihr Anliegen, Klarheit in ein Feld zu bringen, das zunehmend von Verzerrung geprägt ist. Auch im Human Design gibt es inzwischen so viele unseriöse Ausformungen, dass man kaum noch weiß, wo man verlässliche Quellen findet.
Dazu kam etwas, das durch mein Podcastgespräch mit Heike Schwarz angestoßen wurde. Seitdem habe ich mir viele weitere Folgen ihres Sonntagsbrunch Podcast angehört — ich kann ihn wirklich sehr empfehlen. Darunter auch ein Gespräch mit Mechthild Scheffer, der Frau, die die Bachblütentherapie im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht hat. Ich erinnere mich noch gut, wie mich ihre Geschichte berührt hat, als Peter Schöber in einem Profil-Reading von ihr erzählte: Sie trägt dasselbe seltene Profil 2/5 wie ich, mit derselben Neigung zum Rückzug — und trotzdem ist sie nach außen getreten und hat dieses Wissen bekannt gemacht, das ohne sie vermutlich in einer Schublade geblieben wäre. In einem kurzen Ausschnitt eines Biografiefilms über sie sah ich, wie sie in Talkshows saß und von männlichen Moderatoren mit einer deutlichen Skepsis befragt wurde, was das denn nun eigentlich sei. Eine Parallele, die mich sofort an Human Design erinnert hat — auch dort spricht Mechthild Scheffer im Interview darüber, wie sie es selbst erlebt hat mit Klarheit und innerer Überzeugung ein Wissen zu verbreiten, das seiner Zeit noch nicht wirklich greifbar erschien.
Und dann war da noch ein Gespräch bei der Sternstunde Philosophie mit Svenja Flaßpöhler, die gerade ihr neues Buch „Zusammenbleiben“ veröffentlicht hat. Es geht darin um die Freiheit in einer festen Bindung, um das bewusste Bleiben als Wahl, nicht als Zwang, um die Bereitschaft, den Konflikt zwischen zwei Menschen auszuhalten, statt ihm auszuweichen. Auch dort klang für mich dieselbe Erkenntnisebene mit, die im Human Design steckt: Wie kann ich Unterschiedlichkeit leben und wertschätzen, ohne mich selbst darin zu verlieren — ein Raum, der in unserer Gesellschaft noch viel zu wenig existiert.
Diese Frauen haben eines gemeinsam: Sie stellen ihre persönliche Erfahrung zur Verfügung, in einer Zeit, in der genau das Mut braucht. Als ich mir vorstellte, mich selbst in dieser Rolle zu sehen, spürte ich etwas sehr Vertrautes — mein Verstand meldete sich sofort mit dem Einwand, das interessiere ja niemanden. Aber wenn ich wirklich in meine eigene Wahrnehmung hineinspüre, empfinde ich diese Frauen als inspirierend, als bereichernd, als eine Einladung, mit meiner eigenen Stimme in Kontakt zu gehen.
Es zeigt mir auch meine eigenen Hausaufgaben — wo ich mich habe verunsichern lassen, was ich preisgeben möchte und was privat geschützt bleiben darf.
Verantwortung übernehmen
Was mich dabei zunehmend beschäftigt, ist die Frage, wie ich dieser Verantwortung in meiner eigenen Arbeit gerecht werden kann. Ich habe viele Jahre an der Universität gelehrt und geforscht, immer tiefer in ein Thema hineingegangen — vor allem in der langen Zeit meiner Promotion mit dem Elektronenmikroskop, aber auch davor und danach. Diese Jahre waren getragen von einer echten Faszination: Neues, Unentdecktes herauszufinden, es in die Tiefe zu analysieren und zu erforschen. Wenn ich zurückblicke, merke ich, wie wichtig dabei ein anderer Teil war, der mir damals selbstverständlich erschien: die Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften zu publizieren. Reine Erkenntnis um ihrer selbst willen hätte sich für mein System auf Dauer nicht stimmig angefühlt. Erst wenn eine Publikation veröffentlicht war, wenn das Wissen wirklich geteilt werden konnte, fühlte sich die Arbeit auf einer tiefen Ebene vollständig an — besonders bei internationalen Konferenzen, wo ich Vorträge und Posterbeiträge hielt und mit Menschen in den direkten Austausch über jahrelange Arbeit gehen konnte.
Ähnlich ist es heute mit Human Design. Ich trage dieselbe innere Motivation in mir, tagtäglich in die Tiefe zu forschen, mich mit Themen auseinanderzusetzen, mich in Supervisionen und mit meinem Netzwerk an Human Design Experten auszutauschen. Ich liebe es, dieses Wissen eins zu eins in Einzelsitzungen oder in meinen Kursen weiterzugeben. Und gleichzeitig sehe ich in einer Plattform wie Instagram eine besondere Funktion: Menschen zu erreichen, denen dieses Thema fremd ist, die es vielleicht sogar mit Unbehagen betrachten oder es aufgrund des Unbekannten nicht einordnen können. Genau dort möchte ich Brücken bauen — denn es ist oft das Unbekannte, das Spannung erzeugt und uns ablehnend oder getrennt voneinander macht. Darin liegt für mich viel Aufklärungspotenzial und, ja, auch viel Verantwortung.
Wie stark dieser Auftrag in meiner eigenen Körpergrafik angelegt ist, wird mir besonders klar, wenn ich auf mein Profil schaue. Das Profil im Human Design beschreibt gewissermaßen unsere Rolle im Leben, die Art, wie wir nach außen wirken und auftreten. In meiner zweiten Linie, der bewussten Seite, steckt das Naturtalent — die Qualität des Einsiedlers, des Rückzugs und der Ruf, aus dem heraus sich etwas ganz natürlich entfaltet. In meiner unbewussten fünften Linie dagegen steckt das Ketzerische, das Universalisieren, das Verbreiten. Zusammengenommen ist es im Grunde eine Kombination, die genau dafür da ist, ein Naturtalent hinaus in die Welt zu tragen — auch wenn der Weg dorthin, wie ich in diesem Beitrag beschrieben habe, nicht immer geradlinig ist.
Mit Instagram selbst hadere ich dabei nach wie vor. Es ist eine Plattform, auf der Wissen leicht verwaschen wird, auf der viel Selbstdarstellung stattfindet, mehr Schein als Sein, viel Raum für die Bewegung, sich Selbstwert über Bestätigung von außen zu holen — etwas, das der eigenen Entwicklung eher schadet als nützt. Und trotzdem kann genau dieselbe Plattform ein Ort echter Aufklärung sein. Ich bin gerade dabei, dieses Spannungsfeld für mich neu zu erforschen, ohne es vorschnell aufzulösen.
Seit wenigen Wochen bin ich nun auch Teil des Expertenteams auf Humandesignservices. Peter Schöber, meinem Human Design Lehrer, hat mich im Vorfeld gefragt, welcher Weg sich für mich richtig anfühlt. Meine Antwort kam klar: der Weg des Unterrichtensund teilen des eigenen Erfahrungswegs. Als Living Design Guide, als Lehrerin für die Living Design Kurse, stehe ich am Beginn dieses Wirkens — und nun eben auch sichtbar im Team, mit meinen Kursen, die dort mehr und mehr zu sehen sein werden.
Ein achtsamer Moment für dich
Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und für dich nachspüren:
- Wo trägst du Wissen oder Erfahrung, die andere noch nicht wirklich verstehen — und was würde sich verändern, wenn du sie trotzdem teilst?
- Welche Stimmen in deinem Leben haben dir Autorität zugesprochen — und welche haben sie dir abgesprochen?
- Was bedeutet Verantwortung für dich, wenn du an das denkst, was du im Leben gelernt hast?

