Wenn ich heute auf die letzten Jahre zurückblicke, dann fällt mir immer stärker auf, wie oft Entwicklung genau dort begonnen hat, wo mein Verstand kein Gefühl von Sicherheit mehr hatte. In diesem Moment, in dem etwas in mir bereits wusste, dass Veränderung ansteht, während ein anderer Teil noch versucht hat, sich festzuhalten. Und interessanterweise zeigt sich genau das manchmal in Situationen, die auf den ersten Blick gar nichts mit Human Design zu tun haben.

Vor einigen Tagen waren wir als Familie gemeinsam bei einem Schnupperkurs fürs Gleitschirmfliegen. Es war Teil unseres Hochzeitswochenendes – ein bewusst gemeinsames Erlebnis mit unseren vier Kindern. Zeit miteinander verbringen, etwas Neues ausprobieren, gemeinsam Erinnerungen schaffen. Und gleichzeitig wusste ich schon bei der Buchung, dass dieses Wochenende für mich wahrscheinlich noch eine andere Ebene haben würde.

Denn ich habe Höhenangst.

Nicht extrem, aber deutlich genug, dass ich bestimmte Situationen normalerweise eher vermeide oder zumindest versuche, sie kontrollierbar zu halten. Und wahrscheinlich war genau das auch der eigentliche Grund, warum mich auf dieses Erlebnis innerlich eingelassen habe. Nicht, weil ich mutig sein wollte oder mir irgendetwas beweisen musste. Sondern weil ich gespürt habe, dass dort etwas liegt, das ich mir genauer anschauen möchte.

Am ersten Tag bestand vieles noch aus harmlosen Bodenübungen. Schirme aufziehen, wieder senken, laufen, beobachten, spüren. Alles noch mit festem Bodenkontakt. Und gleichzeitig wurde mir schon dort bewusst, dass es beim Gleitschirmfliegen erstaunlich viel um Vertrauen geht. Der Schirm funktioniert nur dann richtig, wenn man nicht permanent gegen ihn arbeitet. Wenn man nicht versucht, jede Bewegung kontrollieren zu wollen. Wenn man beginnt, mit dem Wind zu arbeiten statt gegen ihn.

Genau das war der Moment, in dem ich in der Reflektion begonnen habe, die Verbindung zu meinem eigenen Weg zu spüren. Denn rückblickend fühlt sich vieles der letzten Jahre ähnlich an. Die Trennung. Die berufliche Neuorientierung. Die Selbstständigkeit. Die MBSR-Ausbildung. Der Einstieg ins Human Design. Sichtbar zu werden mit etwas, das gesellschaftlich nicht immer eindeutig einordenbar ist. All diese Schritte hatten gemeinsam, dass ich vorher nie wirklich wusste, ob mich etwas tatsächlich trägt. Und vielleicht ist genau das einer der schwierigsten Prozesse überhaupt: sich zu bewegen, obwohl der Verstand dagegen arbeitet.

Der Moment vor dem Absprung

Am zweiten Tag standen wir dann oben an einem kleinen Skihang. Nicht besonders hoch und trotzdem hoch genug, dass mein Körper sofort reagiert hat. Ich erinnere mich noch genau an dieses Gefühl dort oben. Die weichen Knie. Die Anspannung. Den Verstand, der plötzlich begann, alle möglichen Szenarien zu produzieren. Und gleichzeitig war da dieses Wissen: Wenn du jetzt losläufst, kannst du nicht halb loslaufen.

Das eigentlich Schwierige am Anfang ist gar nicht das Fliegen selbst. Das Schwierige ist dieser Moment davor. Dieser kurze Augenblick, in dem alles im Körper zunächst abbremsen möchte. Kontrolle behalten. Nicht in diesen steilen Hang hineinlaufen. Aber genau das funktioniert nicht.

Man muss weiterlaufen, obwohl der Verstand noch zweifelt. Weiterlaufen, obwohl man noch nicht sicher weiß, ob man tatsächlich getragen wird. Und wahrscheinlich war genau das der Moment, der mich später noch lange beschäftigt hat. Denn je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto stärker hatte ich das Gefühl, dass sich die Anwendung von Human Design im Alltag oft ganz ähnlich anfühlt. Gerade am Anfang.

Human Design Bewegung am Beispiel von Gleitschirmgfliegen

Dekonditionierung bedeutet, der eigenen Bewegung zu vertrauen

Viele Menschen wünschen sich durch Human Design Sicherheit. Eine klare Bestätigung. Eine Garantie, dass Entscheidungen „richtig“ sind. Und gleichzeitig erlebe ich immer wieder, dass sich der tatsächliche Prozess oft ganz anders anfühlt. Weniger wie Sicherheit und mehr wie ein Hineingehen ins Unbekannte.

Gerade als Projektorin kenne ich dieses Gefühl sehr gut. Dieses Anderssein im eigenen Tempo, in der eigenen Wahrnehmung und in der eigenen Art, sich durch die Welt zu bewegen. Und gleichzeitig das permanente Vergleichen mit einer Gesellschaft, die stark auf Leistung, Geschwindigkeit und Sichtbarkeit ausgerichtet ist.

Ich glaube, viele Menschen erleben anfangs genau diesen inneren Widerstand, wenn sie beginnen, ihrer Strategie und Autorität wirklich zu folgen. Nicht nur Projektorinnen. Auch Generatoren, Manifestierende Generatoren, Manifestoren oder Reflektoren. Denn letztlich bedeutet Dekonditionierung oft, sich zum ersten Mal anders zu bewegen, als man es gelernt hat.

Und genau das fühlt sich selten sofort bequem an.

Als der Körper wusste, dass er getragen wird

Was mich an diesem Wochenende wahrscheinlich am meisten überrascht hat, war allerdings nicht die Angst selbst. Sondern das, was danach passiert ist. Denn in dem Moment, in dem ich tatsächlich in der Luft war, wurde plötzlich alles still. Der Verstand war auf einmal nicht mehr wichtig. Die ganzen vorherigen Gedanken, Sorgen und inneren Szenarien waren plötzlich weg. Und stattdessen hörte ich mich jubeln. Es kam einfach aus mir heraus. Fast so, als hätte mein Körper längst gewusst, dass genau dort eigentlich Freude liegt – hinter all den Geschichten und Ängsten, die der Verstand vorher produziert hatte. Das hat mich im Nachhinein tief berührt.

Denn ich glaube, genau so erleben viele Menschen ihren ersten wirklichen Kontakt mit ihrer inneren Autorität. Nicht unbedingt als absolute Sicherheit im Voraus, sondern eher als eine tiefe körperliche Resonanz, sobald sie beginnen, ihr tatsächlich zu folgen. Vielleicht ist genau das etwas, das im Human Design oft missverstanden wird. Strategie und Autorität bedeuten nicht, dass plötzlich keine Angst mehr da ist. Sie bedeuten auch nicht, dass der Verstand aufhört, Fragen zu stellen. Vielmehr entsteht langsam die Erfahrung, dass der Körper oft längst etwas weiß, während der Verstand noch versucht, Kontrolle herzustellen.

Ich beobachte das inzwischen nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei vielen Menschen, die beginnen, ihr eigenes Design praktisch zu leben. Generatoren spüren plötzlich deutlicher, worauf ihr Körper wirklich reagiert. Manifestierende Generatoren merken, dass ihre sprunghafte Energie nicht falsch ist. Projektorinnen beginnen langsam zu erkennen, dass ihre Wahrnehmung nicht permanent über Leistung bewiesen werden muss. Und Manifestoren oder Reflektoren erleben oft zum ersten Mal, dass ihre eigene Art, sich durch die Welt zu bewegen, nicht weniger richtig ist, nur weil sie nicht der Mehrheit entspricht.

Vielleicht verbindet all diese Prozesse letztlich dieselbe Erfahrung: das langsame Vertrauen darin, dass die eigene Mechanik trägt.

Und wahrscheinlich ist genau das etwas, das man nicht rein theoretisch verstehen kann. Man muss es erleben. So wie man Gleitschirmfliegen auch nicht wirklich versteht, solange man nur unten steht und zuschaut. Denn erst in dem Moment, in dem der Boden plötzlich loslässt, entsteht diese neue Erfahrung im Körper: Ich werde getragen.

Und vielleicht liegt genau darin einer der wichtigsten Prozesse von Dekonditionierung. Zu bemerken, wie stark wir gelernt haben, Kontrolle mit Sicherheit zu verwechseln. Und wie ungewohnt es sich anfangs anfühlen kann, dem eigenen Körper mehr zu vertrauen als all den Geschichten im Kopf.

Heute glaube ich nicht mehr, dass Mut bedeutet, keine Angst zu haben. Vielleicht bedeutet Mut eher, sich trotzdem zu bewegen. Weiterzulaufen, obwohl der Verstand noch zweifelt. Und dadurch überhaupt erst die Möglichkeit zu schaffen, zu erleben, dass manchmal etwas trägt, das man vorher noch nicht sehen konnte.

Ein achtsamer Moment für dich

Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und für dich nachspüren:

  • Wo in deinem Leben wartest du vielleicht noch auf absolute Sicherheit, bevor du dich wirklich bewegst?
  • Welche Ängste entstehen eher im Verstand als in deinem tatsächlichen Erleben?
  • Und woran könntest du erkennen, dass dein Körper vielleicht längst bereit ist, obwohl dein Kopf noch zögert?

Eine Einladung an Dich

Wenn du dich in diesen Themen wiederfindest, kann ein persönlicher Blick hilfreich sein. Oft reicht schon ein ruhiger, achtsamer Raum, um Zusammenhänge klarer zu sehen und sich selbst besser zu verstehen. In meiner Arbeit geht es nicht darum, etwas vorzugeben – sondern gemeinsam hinzuschauen, was sich für dich stimmig anfühlt. Wenn du magst, kannst du hier einen ersten Termin wählen oder in einem unverbindlichen Gespräch für dich prüfen, ob das gerade passt.

Termin wählen

Das könnte dich auch interessieren